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ITIL® 4 | ITIL 4 FAQ

Informationen rund um die Neuheiten bei ITIL 4

ITIL 4 heißt die neueste Version der Sammlung von Best Practices für das IT Service Management der Axelos. Hier gehen wir ausführlicher auf die Neuheiten bei ITIL 4 ein und worin sich ITIL 4 von seinen Vorgänger-Versionen unterscheidet.

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Warum gibt es ITIL 4?

Die Grundkonzepte von ITIL v3 stammen aus dem Jahr 2007, das Update von 2011. Zu dieser Zeit waren Cloud-Konzepte in der IT gerade in Mode. Erst später verbreiteten sich agile Konzepte oder DevOps, ein Prozessverbesserungs-Ansatz aus der Softwareentwicklung und Systemadministration. Die neue Version soll den geänderten Anforderungen an eine schnelle und zielgerichtete IT Rechnung tragen und die digitale Transformation unterstützen. [Nach oben]

 

Wird damit ITIL v3 obsolet?

Nein, ITIL v3 ist weiterhin ein erprobtes Rahmenwerk, das Unternehmen helfen kann seine IT neu zu strukturieren. Die bestehenden Zertifizierungen zu ITIL v3 bleiben bestehen. Sie können auch mit ITIL v3-Zertifikaten nachweisen, dass Sie Service Management verstehen. [Nach oben]

 

Wie lange kann man den ITIL Expert in V3 noch abschließen?

Das ist voraussichtlich noch bis Ende 2020 möglich. [Nach oben]

 

Warum ist denn der Umstieg zu ITIL 4 sinnvoll?

ITIL 4 bringt neue Ideen und Sichtweisen in das Service Management. Waren in alten ITIL-Versionen die Prozesse im Fokus (ITIL v2) oder der Service (ITIL v3), so konzentriert sich ITIL 4 auf den Value, den Wert für den Kunden. [Nach oben]

 

Was fällt weg und was kommt hinzu?

Der Service Lifecycle ist das prominenteste „Opfer“. Dieser Ansatz, der in der Praxis zu häufig als Wasserfall und Einbahnstraße betrachtet wurde, wird ersetzt durch das Service Value System und die Service Value Chain. [Nach oben]

NEU: Das Service Value System betrachtet alles, was für die Wertschöpfung wichtig ist. Die Elemente, die ineinandergreifen müssen, um einen Wert zu erzeugen.

NEU: Die Service Value Chain repräsentiert die Schlüsselaktivitäten, die bei der Wertschöpfung durch den Service Provider ausgeführt werden sollen. Folgende Schlüsselaktivitäten werden in ITIL 4 definiert:

  • Plan – (strategische) Planung und Verstehen des Kunden
  • Improve – der fortwährende Verbesserungsprozess
  • Engage – die Schnittstelle nach außen, sowohl in Richtung Kunde als auch zu Partnern
  • Design and Transition – Konzeption und Organisation von Veränderungen
  • Obtain/Build – Durchführung von Änderungen
  • Deliver and Support – Betrieb

Die 6 Kernaktivitäten der Service Value Chain bei ITIL 4

Eine gravierende Änderung ist, dass keine Prozesse mehr beschrieben werden, sondern Praktiken. Diese Praktiken werden als Teile eines oder mehrerer Service Value Streams ausgeführt, z.B. gibt es eine Service Value Stream für die Störungsbeseitigung, welcher die Praktiken Service Desk, Incident Management, Change Control und Deployment Management umfasst.

ERWEITERT: Die vier Dimensionen beschreiben die Bereiche, in denen die IT agiert und die bei Planungen, Betrieb und Optimierung betrachtet werden müssen. Die vier Dimensionen sind die Weiterentwicklung der „4 Ps“ des Service Design.

ERNEUERT: Die Guiding Principles sind die Leitlinien, die bei allen Aktivitäten in der IT beachtet werden sollten [Nach oben]

 

Was ist der Vorteil eine Service Value Chain gegenüber einem Service Lifecycle?

Der Service Lifecycle ist ein Modell, welches die Entwicklung eines Service beschreibt. Es beginnt mit der strategischen Überlegung, ob und für wen der Service gedacht ist. Anschließend wird der Service designt und entwickelt. Es folgt eine Phase in der der neue Service aufgebaut und getestet wird, um keine halbfertigen Produkte in die Produktion zu überführen. Die Inbetriebnahme und der Betrieb sind weitere wichtige Meilensteine, denn nun kann der Kunde den Service nutzen und der Service Provider „(sein) Geld verdienen“. Die CSI-Phase (Continual Service Improvement) ist für das Feedback wichtig, für die Neuausrichtung und die Optimierung des Service. Für die tägliche Praxis ist dieses Modell nur bedingt geeignet. Auch wenn nach ITIL v3 ein linearer Durchlauf nicht vorgeschrieben ist, so wirkt der Ansatz zu Wasserfall-artig.

Das Service Value System ist der neue Kernansatz bei ITIL 4

Die Service Value Chain beschreibt die Kernaktivitäten, mit denen ein Wert für den Kunden geschaffen wird. Der wesentliche Punkt ist hier der Wert für den Kunden und nicht der Service. In einer Kantine sind sie eigentlich auch nicht primär an einer gelungenen Präsentation des Essens interessiert, sondern an einer sättigenden Mahlzeit. Die Service Value Chain wird je nach Anforderung des Kunden durchlaufen. D.h. man betrachtet nun nicht mehr einzelne Prozesse, sondern nur noch Praktiken, die im Rahmen eines Service Value Stream durchlaufen werden.

Ein Service Value Stream, was ist denn das nun wieder? Die Kernaktivitäten werden kombiniert ausgeführt. Die Kontaktaufnahme eines Kunden ist ein „Engage“ – ein Kontakt mit einem Kunden. Der Service Desk öffnet im Anschluss z.B. ein Ticket, was über die Kernaktivität „Deliver & Support“ beschrieben ist. Es folgen das Öffnen eines Change Requests (Kernaktivität: Design & Transition), das Umsetzen der Änderung (Kernaktivität: Obtain/Build), der Rollout (Kernaktivität: Obtain/Build), die Prüfung, ob die Änderungen durchgeführt wurden (Kernaktivität: Deliver & Support) und die Abfrage beim Kunden, ob die Anforderung umgesetzt wurde (Kernaktivität: Engage).

Das Ziel ist den Wert des Kunden sicherzustellen. Seine Anwender können ihre tägliche Arbeit verrichten und z.B. Waren verkaufen oder Endanwender betreuen. Bei Optimierungen sollte man also nicht die einzelnen Prozesse isoliert betrachten, sondern immer die Unterstützung der Wertschöpfung. Also in dem o.g. Beispiel sollte also der gesamte Service Value Stream betrachtet und Optimierungen an den Flaschenhälsen durchgeführt werden, die gesamten Ablauf am stärksten verlangsamen.

Bei einer Bestandsaufnahme wird man in jeder IT nicht nur einen Service Value Stream finden, sondern eine Vielzahl von Abläufen. Es ist also wichtig, die Bedeutung der einzelnen Service Value Streams zu bewerten, um dann an den relevanten Service Value Streams mit der Optimierung zu beginnen. [Nach oben]

 

Sind die Guiding Principles ein neues Konzept?

JEIN. Das Buch ITIL Practitioner von 2015 beschreibt die Guiding Principles, bzw. Leitlinien, zum ersten Mal im Kontext von ITIL, quasi als Ergänzung zum ITIL Rahmenwerk. Mit ITIL 4 werden die Guiding Principles ein integraler Bestandteil von ITIL.

Die Guiding Principles sind:

  1. Focus on value: Achten Sie auf die Werthaltigkeit von Aktivitäten.
  2. Start where you are: Beginnen Sie bei den bestehenden Lösungen, denn hier gibt es bestimmt bereits erprobte und funktionierende Ansätze.
  3. Progress iteratively with feedback: Machen Sie nicht alles auf einmal. Führen Sie kleine Schritte aus und verifizieren Sie, was funktioniert hat und was nicht.
  4. Collaborate and promote visibility: Arbeiten Sie mit möglichst allen Parteien zusammen und präsentieren Sie neue Konzepte, laufende Projekte und Ergebnisse.
  5. Think and work holistically: Konzentrieren Sie sich nicht nur auf einen Aspekt, sondern versuchen alle vier Dimensionen zu betrachten.
  6. Keep it simple and practical: Halten Sie ihre Lösungen möglichst einfach. Es mag verlockend sein eine 100%ige Lösung zu etablieren, die alle Sonderfälle berücksichtigt, aber das kann sich im Tagesgeschäft als schwer handhabbar erweisen.
  7. Optimize and automate: Verharren Sie nicht bei einer gefundenen Lösung, sondern schauen Sie, wo noch weitere Optimierungen möglich sind. Sinnvoll eingesetzte Werkzeuge können die Arbeit vereinfachen.

In der täglichen Arbeit ist es wichtig, nicht nur eine von den Leitlinien zu betrachten, sondern zu versuchen möglichst alle/viele zu vereinen. Nur in der Kombination bringen sie einen großen Mehrwert. [Nach oben]

 

Was sind die vier Dimensionen?

In ITIL v3 (2011) gab es die „4 Ps“ des Service Design: People, Partner, Processes und Products (Tools). Mit ITIL 4 sind diese weiter in den Mittelpunkt gerückt und gelten nicht nur für die Konzeption, sondern sollten in allen Bereichen berücksichtigt werden, gemäß der Leitlinie „Think and work holistically“. Bei den vier Dimensionen wird auf folgende Ansätze ein besonderer Fokus gelegt:

  • People and Organisation: Nicht nur die einzelnen Mitarbeiter sind interessant, sondern auch deren Organisation.
  • Partner and Supplier: In den Fokus rücken auch diejenigen, die die Leistungserbringung unterstützen.
  • Processes and Value Streams: Die Abläufe, die zur Wertschöpfung des Kunden beitragen, erhalten eine spezielle Betrachtung (siehe Vorteile des Service Value Stream).
  • Products and Information: Hierunter fällt das was die IT einsetzt, um Daten und Informationen zu verarbeiten und zu präsentieren. [Nach oben]

 

Erklärvideo: ITIL 4 und die Unterschiede zu ITIL v3

Welche Unterschiede bestehen zwischen ITIL 4 und der "Vorgänger-Version" ITIL v3? In diesem kurzen Video erklären wir Ihnen die wesentlichen Unterschiede. [Nach oben]

 

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